es wurde das Jahr 1989 geschrieben …

Oerlinghausen (pi). „Herzlich willkommen‘ flimmert es in grünen Buchstaben auf dem kleinen Monitor. Die freundliche Einladung kommt von einem Computer der nun darauf wartet, den Codenamen
des Benutzers zu erfahren. Hat der Computer, ein Modell für gehobene Ansprüche, dieses Info bekommen, steht der Benutzung des Rechners ei-
gentlich nichts mehr im Wege. Sollten sich jedoch Probleme ergeben, so kann der
„Amiga User Club“ in Oerlinghausen helfen.

Jeden Samstagabend treffen sich rund 15 Computerfans in den Räumen
der Volkshochschule Oerlinghausen, um in verschiedenen Arbeitsgruppen
Erfahrungen auszutauschen und Probleme gemeinsam zu lösen. „Als ich
1987 den Klub gründete, waren wir erst nur zu fünft‘‘, erzählt Frank Kipp
(20), Vorsitzender des Klubs. Seitdem hat sich allerhand getan:
Mitgliederzahl ist auf 20 gestiegen und mittlerweise kommen sogar
Interessenten aus Detmold und Paderborn. Annoncen in Fachzeitschriften
und die klubeigene Zeitung „Guru Times“ sind dabei wichtige Mittel der
Oerlinghausener Computerfans, auch überregional auf
sich aufmerksam zu machen.

„Es ist immer ein schönes Erlebnis, wenn neue Klubinteressenten
auch von weiter her bei mir anrufen”, so Kipp, der durch seine Tatigkeit
in einem Bielefelder Elektronikgeschaft auch beruflich mit Computern zu
tun hat.

Bei den meisten Mitgliedern ist der Computer jedoch reines Hobby.
Kassenwart Andreas Günter (19) betont in diesem Zusammenhang aber,
daß an den Klubabenden nicht Computerspielchen gemacht würden, sondern
„Ernsthafteres auf dem Programm‘ stehe. Da werden Programmierungs-
probleme besprochen, über technische Neuheiten gefachsimpelt, Messe-
besuche geplant und kleine Tricks und Kniffe bei der Benutzung des Compu-
ters weitergegeben. „Unser neuestes Projekt ist die Entwicklung von eigener
Software, die wir dann auch anderen Usern (Computerbenutzern) zur Verfü-
gung stellen wollen.‘
Doch nicht nur Computerfreaks sollen durch den Klub angesprochen wer-
den. Für Anfänger werden spezielle BASIC- und Assemblerkurse (Compu-
ter-Fachsprachen) angeboten. Etwas umständlich ist momentan nur, daß
jeweils zwei oder drei Mitglieder ihren eigenen Computer zu den
wochentlichen Klubabenden in der Volkshochschule
mitbringen müssen. Die VHS verfügt nämlich nur über Computer eines an-
deren Systems. Andreas Günther zu diesem Problem: „Wer seinen eigenen
Rechner mitbringt, bekommt dafür als kleinen Anreiz den Klubbeitrag
erlassen.‘

Frank Kipp hofft indes auf noch stärkere Unterstützung durch
Computerfirmen. „Wir haben zwar schon einige Kontakte zu Firmen und
Händlern im Bielefelder Raum, aber das könnten ruhig noch mehr werden.“
Vorerst will man sich damit begnügen, einen Fernseher mit großem
Bildschirm zu kaufen. Grafiken und Textprogramme werden dann besser lesbar.
Trotz aller Begeisterung für Computer sind sich die Klubmitglieder jedoch
darin einig: „Der Mensch muß bei der Beschäftigung mit dem Computer das
wichtigste sein und bleiben.“ Das schließt allerdings nicht aus, daß ein
großer Teil der Freizeit dem Computer gewidmet wird. „Mein absoluter Re-
kord liegt bei 14 Stunden vor dem Rechner“, erinnert sich Frank Kipp.
Nach eigenen Worten ein „fanatischer Trip“ noch während der Schulzeit.
Jetzt käme es aber auch schon öfters vor, daß der Computer nur am Wo-
chenende „angeschmissen‘ würde.

Timur Wallrabenstein, mit 15 Jahren “eines der jürgsten Klubmitglieder, zur;
Faszination des Computers: „Erst fängst du mit Telespielen an, und dann
entdeckst du die vielen Möglichkeiten, die ein Computer bietet.“ Ob nun beim
Vokabellernen, Erstellen von Grafiken für den Kunstunterricht oder beim Lö-
sen von Mathe-Aufgaben: Eine Hilfe ist der Computer allemal. Resümierend
meint Frank Kipp jedoch: „Im Endeffekt ist der Mensch immer noch klüger
als der Rechner.
‘*

*Wenn die jetzige Gegenwart so voran schreitet, werden die Maschinen klüger
als der Mensch, in nahe Zukunft, in Erscheinung treten …